3. Wanderung - Von Dingstede zum Grab am alten Postweg bei Kirchkimmen


Von einer Tingstette sprechender Steine zum Grab der Roten Göttin.

Dingstede leitet seinen Namen her von Tingstätte (Ding), dem Ort der Ratsversammlung germanischer Häuptlinge. Über geringfügige Dinge berieten die Gaufürsten allein, bei schwerwiegenden Dingen hatte jeder „Freie“ eine Stimme. Gewöhnlich traf man sich zur Zeit des  Voll- oder  Neumondes, da diese Zeiten jeweils einen Neuanfang förderten. Pünktlichkeit war nicht Sache der Germanen, so konnte es Tage dauern, bis alle Ratsmitglieder beisammen waren. Alle kamen mit ihren Waffen, denn damit gaben sie ihre Zustimmung zu Urteilen indem sie die Waffen klirrend aneinander schlugen, während Ablehnung durch Murren kund getan wurde. Allein der Priester hatte das Recht Befehle zu erteilen. Der König und die „Alten“ durften lediglich ihre Meinung sagen.

Jede dieser Versammlungen, um Recht zu sprechen, Kriege zu beschließen und sonstige Beschlüsse des öffentlichen Lebens zu fassen, wurden rituell „eingehegt“ mit Pfählen, Stangen mit Stricken verbunden und so eingespannt. Hegen und Hagal haben die gleiche Sprachwurzel – die Hagalrune bedeutet „Hege das All“. Diesen Zustand des sakralen Hegens wurde mit rituellen Fragen eingeleitet. Die Dingstette wurde zu einem Ort Heiliger Handlungen, die Beschlüsse wurden entsprechend sehr ernst genommen. Oft wurde der Ort dem Kriegsgott Tyr geweiht. Orte mit dieser Silbe oder Tui, Ziiu deuten darauf hin, daß hier vielleicht einmal ein solcher Versammlungsort war. Die Steine waren die Sitzplätze, der Richter (früher de Priester) sitzt im Schneidersitz auf  dem höchsten Sein und  blickt nach Osten, Stab oder Schwert in der Hand.

Zum Ritual gehörte auch, daß ein Stab, symbolisch den  Hammer des Thor vertretend, von Hand zu Hand gereicht wurde.

Diese Tingstätte ist rekonstruiert. Die Dingsteder sagen, sie seien aus den alten Steinen der alten Tingstette, die mitten in einem Feld nahe der Autobahn lag. Die Nachbarorte behaupten, daß sie aus einfachen Findlingen der umliegenden Feldern rekonstruiert wäre. Man sieht es war und ist geblieben ein Ort der Auseinandersetzung. Der Kampf, Recht zu bekommen scheint hier Geschichte geworden zu sein.

Wer hat wohl recht? Wir probieren an Ort und Stelle aus, was uns die Steine dazu sagen. Zu dem Zweck wandern wir langsam durch den Eingang. Sind die Steine polarisiert?

Die Steine sind im Zwischenraum auf „minus“ polarisiert. Das bedeutet, die Schicht unseres Mental- und Emotionalkörpers wird beim langsamen Durchschreiten neutralisiert. Vorgefaßte Meinungen müssen draußen bleiben. Ein Zufall? Wir sind neugierig geworden. Jeder sucht sich einen Stein. Manchmal zieht ein Stein uns optisch an, dann sind wir aktiv und suchen den Stein aus. Wir können uns aber auch passiv verhalten. Wir fragen in den Raum, ob da ein Stein ist, der mit uns kommunizieren möchte. Wenn daraufhin eine Reaktion von einem Stein zu bemerken ist, passiert meist etwas Ungewöhnliches. Sie können auch der Reihe nach jeden Stein ausprobieren, bis Sie eine Resonanz spüren. Die Steine haben sehr unterschiedliche Abstrahlungen und damit unterschiedliche Wirkungen auf uns. Steine können Geschichten erzählen. Manche dieser Steine wollen gar nicht da sein, vielleicht sind das die Steine aus den Feldern der Nachbardörfer. Manche erzählen von Mannesstolz und kriegerischer Bereitschaft, manche von Unterdrückung.

In der Mitte liegt der größte Stein, ein für wahr fürstlicher Hochsitz.  Hier hatte wohl der Richter seinen Platz. Wir machen eine Zeremonie daraus. Jeder der Gruppe besteigt diesen Hochsitz, mit Blick nach Osten, würdig wie es sich für einen Richter geziemt. Jedesmal passiert für jeden spürbar etwas Merkwürdiges. Das ganze Feld innerhalb des Rechteckes der Tingstätte fängt an, zu vibrieren und jeder fühlt, daß zur Mitte, bzw. von der Mitte aus, dem Ort des Richters ein Verbindungsstrahl entsteht. Nimmt ein Richter seinen Platz ein, sich seines Amtes bewußt, entsteht ein homogenes Gemeinschaftsgefühl, unter dessen Einfluß jeder Richterspruch verstanden und angenommen wird. Wir nennen ihn wegen dieser besonderen  Strahlkraft den Sonnenstein.

Das ist nun eine rekonstruierte Tingstette und zeitigt solch solche authentischen Auswirkungen?

Hier der Versuch einer Erklärung:

Geophysiker untersuchten südenglische Megalithanlagen mit Meß- Instrumenten auf Anomalitäten der Microwellen. Sie fanden beson-ders zur Morgendämmerung natürliche, erhöhte  Radioaktivität, Infrarotstrahlungen und Ultraschallwellen. Aus der Forschung bei Ortungs- und Entfernungsmessungen der Fledermäuse war man schon auf unterschiedliche Ultraschall-Signale gestoßen. Auch bei der Quarzforschung fand man anomale Effekte zur Zeit des Sonnenaufgangs. Aus Sagen und Märchen addieren sich dem aufmerksamen Geomanten noch alle anderen Sonnenstände und –wechsel hinzu – Mittag, Mitternacht, Dämmerung – jahreszeitlich bedingt: Sonnenwenden, Tag und Nachtgleiche.

Was geschieht da nun? Aufsteigende Microwellen von Wasseradern, Verwerfungen oder Erzlagerstätten verwandeln sich in Ultraschall oder piezzoelektrische Impulse, wenn die Microwellen das Kristallgitter der Steine durchqueren. Dann treten diese merkwürdigen Phänomene auf, es  singen die Steine oder sprühen sichtbar Lichtfunken.

Diese mit physikalischen Meßmethoden erklärbaren Vorkommnisse sind die Grundlage metaphysischer Phänomene, die Rudolf Steiner ausdrückt mit: Die Feldsteine sind das Gedächtnis unserer Erde.

Die Kristallstruktur der Feldsteine speichern das kollektive Geschehen aller Steinsetzungen. Sie wirken als Empfänger, Antenne und Sender. Auf diese Weise kann in einer rekonstruierten Tingstätte durchaus das Wissen wieder abgerufen werden, welches in jeder jemals belebten Tingstätte gespeichert wurde.

Wir verabschieden uns von diesem schönen erlebnisreichen Ort, wandern zur Ortsmitte zurück und versuchen, die ursprüngliche Stätte zu erfühlen.

Hier treffen drei Straßen aufeinander und machen dies zu einem Beinahe-Zentrum. Solche Straßenführung deutet meist auf eine Sechseckgitter-Kreuzung, eine Hagalkreuzung, die früher beson-deren Zwecken diente. Heilige Haine oder Tingstätten  wurden auf solchen Sechseckgittern angelegt.

Von hier aus wenden wir uns nach Norden, um nach ca. 50 m rechts über den kleinen Feldweg voller Wildkirschen bis Kirchkimmen zu wandern. Auch hier finden wir keinen richtigen Mittelpunkt, wenden uns wieder nach links Richtung Fernsehturm, überqueren die Bundesstraße, wenden uns nach links um nach ca. 30 m rechts abzubiegen, nächste Möglichkeit wieder rechts bis nach ca. 20 m des sehr unvollständige Steingrab in der alten Poststraße vor uns liegt. Bereits an der Bundesstraße verabschieden wir uns endgültig von Dingstede, um uns dem neuen Ort zu zu wenden.

Jeder sucht, den kleinen Hügel umrundend, seinen persönlichen Zugang, seinen besonderen Stein oder seine besondere Stelle. Zwischen Beltane, dem keltischen Sommeranfang und Lamnas, dem keltischen Hochsommerfest, nach unserer Zeitrechnung zwischen dem 1. Mai und dem 1. August sind diese Steine ihrer Qualität entsprechend aktiv. Wir finden hier eine klare, gerichtete Lebenskraft. Der schräge Stein, etwas abseits liegend, nennen wir den Seherstein: Haben Sie eine Frage an das Leben – hier können Sie eine Antwort erhalten. Stellen Sie sich auf den Stein und lassen Sie sich von seiner lebensbejahenden Klarheit durchdringen.

Am Wegesrand liegt der größte Stein mit einer Kuhle. Auf diesem Stein zu liegen – lohnt sich. Man liegt wie unter einer Pranadusche und läßt sich beschenken.

Einmal haben wir nachts auf dem nahen Campingplatz übernachtet und sind bei Morgendämmerung zu diesem Ort gewandert, um den Sonnenaufgang zu erwarten. Zu dem Zeitpunkt erleben wir ihre Qualität, die Qualität der Roten Göttin – Leben pur mit Lust an Picknick,der Freude am Dasein und dem Hiersein im Jetzt.